Warum beim Brand in Heidelberg die Bevölkerung über Soziale Medien gewarnt wurde, nicht aber über die offiziellen Warn-Apps

Die Feuerwehr im Einsatz in dem noch unbewohnten Rohbau, in dem das Feuer ausbrach. Foto: PR Video auf Facebook

Am Samstagmorgen brach kurz nach 09.00 Uhr in einem noch unbewohnten Neubau in der Ringstraße in der Heidelberger Weststadt ein Feuer aus. Die Polizei informierte in einer kurzen Pressemitteilung die Bevölkerung erstmalig um 9.40 Uhr über das Brandgeschehen. Um 10.17 Uhr meldete die Polizei auch auf Twitter das Brandereignis und ergänzte ihre Meldung um den wichtigen Hinweis, wonach Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten sollen.

Im abschließenden Polizeibericht wird später von einer „großflächigen Rauchentwicklung“ die Rede sein. Die starke Rauchentwicklung zog gemäß Polizeibericht auch in den Innenhof eines Nachbargebäudes, vorsorglich wurde auch eine benachbarte Tankstelle geräumt. Zwei Personen erlitten eine Rauchgasvergiftung und wurden dem Polizeibericht zufolge ins Krankenhaus eingeliefert.

Keine Alarmierung über Warn-Apps

Über die offensichtlich gefährliche Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung nur über Twitter informiert und gewarnt. Eine Warnung der Bevölkerung über die dafür eigentlich vorgesehenen Notfall-Informations-Apps NINA und KATWARN erfolgte hingegen nicht.

NINA und KATWARN sind Apps auf mobilen Endgeräten, die wichtige Meldungen des Bevölkerungsschutzes übermitteln. Bei unterschiedlichen Gefahrenlagen können diese Apps warnen und im Zweifelsfalle auch Handlungsempfehlungen ausgeben. Dank der Standortfunktion des Gerätes werden gezielt nur diejenigen über eine Gefahrenlage informiert, die sich aktuell im Bereich der Gefahrenlage befinden. Es werden aber auch diejenigen informiert, die zuvor in den Einstellungen der Apps diesen Bereich definiert haben.

Deutlich sind im Erdgeschoss Rauchspuren zu erkennen. Foto: PR Video auf Facebook

Die Warn-App NINA wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betrieben während die KATWARN-App vom Fraunhofer-Institut FOKUS im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelt wurde. Beiden gemeinsam ist ihre Funktionsweise, denn beide sind reine technische Warnmultiplikatoren: Sie geben nur die Warnungen an eine Vielzahl von Empfängern weiter. „Die Warn-Apps sind einer Warnung der Bevölkerung mittels Sirenen gleichzusetzen“, wie die Stadt Heidelberg die Bedeutung der Apps beschreibt.

Einsatzkräfte lösen normalerweise die Warn-Apps aus

Die Apps sind mit dem Modularen Warnsystem (MoWaS) gekoppelt, welches vom BBK bundesweit allen Behörden auf Landes- und kommunaler Ebene zur Verfügung gestellt wird. In den einzelnen Leitstellen vor Ort werden die Daten über eine mögliche Gefahrenlage in das Modularen Warnsystem eingespeist, die dann über die Warn-Apps an die Empfänger übermittelt werden.

Voraussetzung für eine Warnung über die Warn-Apps ist jedoch, dass in der entsprechenden Leitstelle vor Ort die App als Warnkanal ausgewählt wurde. Die zuständigen lokalen Katastrophenschutzbehörden oder die Polizei entscheidet dabei eigenverantwortlich, welche Warnmittel und Kanäle konkret zum Einsatz kommen sollen und auch, welchen Inhalt und Umfang die Warnmeldung haben werden, wie Pressesprecher der KATWARN- und NINA-Betreiber übereinstimmend erklären.

Polizei und Feuerwehr schildern ihre Eindrücke

Die Entscheidung, die Bevölkerung über Twitter zu warnen und zu bitten, die Fenster und Türen zu schließen, „hat das Polizeipräsidium Mannheim bei der Erstellung ihrer Pressemitteilung eigenständig getroffen“, wie Christopher Weselek, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit beim zuständigen Polizeipräsidium Mannheim auf Anfrage mitteilt: „Maßgeblich waren Eindrücke vor Ort.“ Weselek war am Samstag beim Brand in Heidelberg vor Ort.

Nach Auskunft der Feuerwehr Heidelberg stellte sich der Brand und die Gefahrenlage offenbar anders dar und längst nicht so dramatisch und gefährlich: „Für die Einsatzleitung der Feuerwehr Heidelberg war die Rauchentwicklung beim Eintreffen mit einem Standardwohnungsbrand vergleichbar“, wie es dazu aus dem Rathaus der Stadt Heidelberg heißt.

Unter Atemschutz bekämpft die Feuerwehr den Brand in Heidelberg. Foto: PR Video auf Facebook

Die Einsatzleiter der Feuerwehr betrachten die Auslösung einer Warnung immer auch unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit, so ein Pressesprecher. Demnach wird eine Warnung nur ausgelöst, wenn eine tatsächliche Gefährdung der Bevölkerung vorliegt. Die Warnung eines Stadtteiles aufgrund einer lokal begrenzten und kurzfristigen Rauchentwicklung war im Rahmen der Verhältnismäßigkeit bei dem Brand am Samstag nicht gegeben, wie der Pressesprecher noch ergänzte: „Durch die präventive Räumung des Gefahrenbereiches konnte die Gefährdung von Personen ausgeschlossen werden.“

Dass die Feuerwehr den Einsatz mit einem „Standardwohnungsbrand“ vergleicht, zeigt schon die Verhältnismäßigkeit. Auch eine weitere Information der Heidelberger Feuerwehr hilft, den Einsatz richtig zu verstehen und einzuordnen: „Bereits nach rund zehn Minuten war der Brand vollständig gelöscht.“

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