Vier Mannheimer Sitze im Bundestag – und ein ungutes Gefühl zieht mit nach Berlin [Ein Kommentar]

Das Mannheimer Wahlergebnis nach Erststimmen. Foto: Screenshot Votemanager Stadt Mannheim

Isabel Cademartori holt für die SPD in Mannheim das Direktmandat: Es ist das einzige rote Direktmandat in ganz Baden-Württemberg. Die Basis hierfür legte schon früh Nikolas Löbel (CDU) mit seinem umstrittenen Maskendeal und Rücktritt. Später kam auch noch die Schwäche der Grünen und die Wiederauferstehung der SPD dazu, so dass Cademartoris Sieg fast einem Durchmarsch als lachende Dritte gleich kam.

Ein Direktmandat und drei Listenplätze

Gemäß Bundeswahlleiter kamen über die Landeslisten noch Melis Sekmen (Grüne) und Konrad Stockmeier (FDP) zu einem knappen Sitz im nächsten Bundestag. Und auch Gökay Akbulut von den Linken schaffte es über die Liste wieder nach Berlin, auch wenn ihre Partei mit 4,9% der Stimmen nur über die Direktmandatsklausel überhaupt im Bundestag sitzt.

Damit ist Mannheim mit vier Abgeordneten im nächsten Bundestag vertreten. Das klingt im ersten Moment nach einem deutlichen Gewinn für die Stadt, schließlich waren in der vergangenen Periode mit Löbel und Akbulut nur zwei Mannheimer Vertreter in Berlin, nach dem Rücktritt von Löbel zuletzt nur noch eine.

Trickserei und große Versprechen

Doch es fahren (oder fliegen) nicht nur vier Mannheimer Abgeordnete demnächst regelmäßig nach Berlin, mit in ihrem Gepäck nehmen einige von ihnen auch ein ungutes Gefühl mit. Denn ob Mannheim von der Abgeordnetendichte letztlich profitieren kann, ist nicht sicher. Einige der Gewählten haben im Wahlkampf schon nicht auf Anfragen von lokalen Interessenverbänden reagiert. Ob sie in Zukunft als Abgeordnete für Mannheimer Interessen ansprechbar sein werden, ist damit nicht gesagt.

Aus dem Wahlkampf nehmen die gewählten Mannheimer Abgeordneten auch den Eindruck von Trickserei und Schummelei mit nach Berlin: Mit Duldung der Mannheimer Stadtverwaltung haben sich die Kandidaten über geltende Richtlinien hinweg gesetzt und bisweilen einen sehr unschönen Wahlkampf geführt. Auch da stellt sich die Frage, ob in diesem Stil in Berlin weitergemacht wird?

Bleiben am Ende noch die vielen inhaltlichen Versprechen, mit denen die Mannheimer Kandidaten im Wahlkampf um die Gunst der Wähler geworben haben und die sie nach der Wahl sofort angehen wollen. Bereits vor der Wahl kamen einige Zweifel auf, ob das Gesagte tatsächlich so gemeint war: Etwa, wer noch kurz vor dem Wahlkampf Fotos von einem Kurzurlaub am Meer postet aber gleichzeitig sich für mehr Klimaschutz einsetzen will.

Nur das Beste für Mannheim

Doch jetzt beginnt erst einmal eine neue Zeitrechnung: Mannheim hat gewählt und nach dem Willen der Wähler sind nunmehr vier Abgeordnete aus Mannheim im Bundestag vertreten. Die wollen alle vier sicherlich nur das Beste für Mannheim, davon muss ausgegangen werden. Auch wenn ein ungutes Gefühl einige Mannheimer Abgeordnete mit nach Berlin begleitet.

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