
Der Parteivorsitzende Hubert Aiwanger und auch der Bundesvorstand der Freien Wähler waren völlig überrascht, als Sylvia Rolke am 19. April 2026 ihren Rücktritt aus dem Bundesvorstand bekanntgab. Noch viel überraschender klang ihre Begründung: Als “demütigend und frauenfeindlich” griff sie in ihrem Rücktrittsschreiben den Bundesvorstand und insbesondere den Generalsekretär der Partei an.
Rolke trat zudem kurz zuvor als Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg zurück und mit ihr der gesamte Landesvorstand. Als Grund für den geschlossenen Rücktritt nannte der Landesvorstand einen “unüberwindbaren Vertrauensverlust” gegenüber dem Bundesvorstand.
Tatsächlich aber spielten sich schon ab 2023 und insbesondere nach zwei deutlich verlorenen Wahlen im Hintergrund ganz andere Dinge ab, die die Rücktritte in einem völlig anderen Kontext rücken.
Verlorene Wahlen und das Leugnen von Vorwürfen
Bereits als Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl 2025 scheitert Rolke krachend und erzielt in ihrem Wahlkreis Stuttgart I das schlechteste Zweitstimmenergebnis der Freien Wähler in Baden-Württemberg, bei den Erststimmen belegt sie im Landesvergleich den vorletzten Platz. Ralf Wendel, der damalige Schatzmeister der Freien Wähler in Baden-Württemberg, schneidet in seinem Wahlkreis Stuttgart II ähnlich schlecht ab: Er erzielt das schlechteste Erststimmenergebnis sowie das zweitschlechteste Zweitstimmenergebnis.
Ungeachtet dem miserablen Abschneiden 2025 nominieren die Freien Wähler ausgerechnet die Verlierer Rolke und Wendel als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026: Sylvia Rolke führt die Landesliste an, Ralf Wendel steht auf Platz Zwei hinter ihr. Doch trotz der tatkräftigen Unterstützung des hessischen Landesvorsitzenden und Europaabgeordneten Engin Eroglu sowie insbesondere des rheinland-pfälzischen Europaabgeordneten und damaligen Lantagsabgeordneten Joachim Streit verfehlen die Freien Wähler mit Rolke und Wendel deutlich ihr erklärtes Ziel: Statt in den Landtag einzuziehen verlieren die Freien Wähler in Baden-Württemberg knapp ein Drittel der Stimmen und kommen auf nur noch auf 1,9%.
Wendel gilt als enger Vertrauter von Rolke, auf der Wahlparty in Ludwigsburg bezeichnen sich die beiden noch als „unzertrennlich“. Konsequenzen nach der verlorenen Landtagswahl wollen die beiden auch 2026 wieder nicht ziehen, für das Wahlergebnis sollen nach deren Ansichten andere verantwortlich sein. Parteiintern werden Forderungen nach persönlichen Konsequenzen gestellt, Rolke und Wendel geraten unter Druck, zahlreiche Parteimitglieder wenden sich von den beiden unzertrennlichen Verlierern ab.

Kurz nach der verlorenen Landtagswahl fällt Ralf Wendel wegen seiner Beiträge auf Facebook auf, die er bisweilen aus rechtsextremen, antisemitischen und verschwörungsideologischen Quellen teilt, wie etwa ein geteilter Post des bayerischen AfD-Abgeordneten Gerd Mannes. Im beruflichen Umfeld des Ralf Wendel werden zudem wirtschaftliche Schwierigkeiten und zahlreiche zurückliegende und laufende Insolvenzverfahren bekannt, in vielen dieser Firmen ist Wendel als Geschäftsführer eingetragen, die Firmen gehören größtenteils seiner Lebensgefährtin Darinka Beck.
In einer ersten Reaktion weist der Landesvorstand am 24. März 2026 die gegen Wendel bekanntgewordenen Informationen als „rüde Falschbehauptungen“ und „unwahre Vorwürfe“ zurück: Wendel würde „mit beiden Beinen fest in der freiheitlich demokratischen Grundordnung“ stehen, wie einem internen Schreiben des Landesvorstands zu Wendels Facebook-Beiträgen zu entnehmen ist. In Bezug auf die Firmeninsolvenzen trenne der Landesvorstand in besagtem Scheiben „zwischen der politischen und privaten Arbeit der Mitglieder“ und versichere, dass Wendel „nie zu einem wirtschaftlichen Nachteil von Mitgliedern gehandelt“ habe. Für Wendel gelte die „Unschuldsvermutung.“
Der Bundesvorstand schaltet sich ein
Noch am selben Tag muss Ralf Wendel gegenüber dem Bundesvorstand der Freien Wähler eingestehen, dass die Staatsanwaltschaft seit 2024 gegen ihn wegen Betrug und Insolvenzverschleppung ermittelt. Der Bundesvorstand befasst sich an jenem Tag erstmalig mit dem Fall Wendel und beschließt unter Fristsetzung bis zum 10. April 2026: „Der Bundesvorstand fordert den Landesvorstand Baden-Württemberg auf, den Sachverhalt weiter aufzuklären.“ Ferner soll ein „abschließender Bericht zur Aufklärung des Sachverhalts dem Bundesvorstand entgegengebracht werden.”
Trotz anderslautender Beschwichtigung des Landesvorstands werden zudem direkt und indirekt geschädigte Parteimitglieder bekannt, denen nach privater Zusammenarbeit mit Wendel und seinen Firman Nachteile entstanden sind. Der Landesvorstand hat offensichtlich kein Interesse, den Fall wie vom Bundesvorstand gefordert, weiter aufzuklären, denn der Landesvorstand nimmt keinen Kontakt mit geschädigten Parteimitgliedern auf.
Der Fall soll offenbar nur intern im Vorstandskreis behandelt werden. Drei Tage vor Fristende gibt es auf der Landesvorstandssitzung am 7. April 2026 unter Tagesordnungspunkt Fünf eine Erklärung von Ralf Wendel zu den erhobenen Vorwürfen. Im Anschluss spricht der Landesvorstand Wendel sein Vertrauen aus.
Dieses Abstimmungsergebnis präsentiert Rolke am Freitag, den 10. April auf der Bundesvorstandssitzung zusammen mit dem Versuch, die privaten Angelegenheiten des Landesschatzmeisters außen vor lassen zu können. Rolke und ihr Landesvorstand hoffen damit, ihre Aufklärungspflicht gemäß dem Beschluss des Bundesvorstands erfüllt zu haben.
Der Bundesvorstand gibt sich allerdings mit dem Abschlussbericht nicht zufrieden und vertagt sich auf den Folgetag. Denn zu diesem Zeitpunkt liegen dem Bundesvorstand bereits belastbare Informationen von Parteimitgliedern vor, denen durch die im guten Glauben an den Schatzmeister außerhalb der Partei erfolgte Geschäftstätigkeit mit Wendel erhebliche Nachteile entstanden waren.
Die Parteispenden und das Ende von Wendel und Rolke
Nur wenige Stunden nach der vertagten Bundesvorstandssitzung werden Informationen bekannt, wonach Wendels iFirmen Wendel Elektro- und Anlagentechnik GmbH sowie die Wendel Solar GmbH in den Jahren 2023 und 2024 sogenannte Verzichtsspenden an die Freien Wähler in Höhe von 13.913 Euro (Wendel Elektro) und 18.404 Euro (Wendel Solar) getätigt hatten. Dabei werden von Wendels Firmen zu Gunsten der Partei erbrachte Leistungen dieser zwar in Rechnung gestellt, die Partei braucht diese aber nicht zu bezahlen: Für den Verzicht des Geldflusses erhält der Rechnungssteller in Höhe des Rechnungsbetrages statt dessen eine Spendenquittung von der Partei.
Problematisch soll bei der Verzichtsspende aus dem Jahre 2023 offenbar sein, dass diese zu einem Zeitpunkt getätigt wurde, als besagte Firma schon zahlungsunfähig gewesen sein soll. Des Weiteren sollen die in den für die Spenden zugrundeliegenden Rechnungen angeführten Leistungen nach übereinstimmenden Aussagen Beteiligter größtenteils von Wendels Firma nicht oder nicht in vollem Umfang erbracht worden sein. Für die Spende aus dem Jhr 2023 sollte unter anderem auch auf Wendels Firmenfahrzeugen Werbung der Freien Wähler angebracht werden – was trotz Rechnungsstellung offensichtlich aber nicht erfolgt ist.

Noch in der Nacht zwischen den beiden Bundesvorstandssitzungen lässt Wendel sein Amt als Landesschatzmeister ruhen und kündigt auf Grund der Vorwürfe gegen ihn eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft an: „Was hier über mich berichtet wird grenzt an Rufmord, und das lasse ich mir nicht gefallen.“
Damit rückt auch die Landesvorsitzende in den Fokus, denn im März 2023 wurde Rolke als Landesvorsitzende gewählt und etwa ein halbes Jahr nach ihrer Wahl kam es zur ersten fraglichen Großspende. Und als Landesvorsitzende müsste Rolke von den damaligen Vorgängen eigentlich vollumfänglich Kenntnis gehabt haben. Die Bundesvorstandssitzung am 11. April wird jedenfalls Rolkes letzte Bundesvorstandssitzung gewesen sein, an der sie teilnimmt.
Auf das Leugnen folgen die Rücktritte
Nur sechs Tage nach der Bundesvorstandssitzung, am Freitag, den 17. April 2026, geht bei der Landesvorsitzenden Rolke eine Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters der Wendel Elektro- und Anlagentechnik GmbH ein: Dieser fordert darin den Spendenbetrag von 2023 in Höhe von 13.913 Euro von der Landespartei zurück: Auf Grund der Zahlungsschwierigkeiten seiner Firma hätte der Geschäftsführer Ralf Wendel damals offenbar auf die Bezahlung der Rechnung bestehen müssen.
Drei Wochen nach dem Rechtfertigungsschreiben des Landesvorstands, wonach Wendel „nie zu einem wirtschaftlichen Nachteil von Mitgliedern gehandelt“ habe, ergibt sich nunmehr ein neues Bild: Demnach handelte Ralf Wendel offensichtlich zum wirtschaftlichen Nachteil der gesamte Partei und schädigte damit alle Mitglieder der Freien Wähler: Der Landesverband muss 13.913 Euro zahlen für Leistungen, die von Wendels Firma mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie in vollem Umfang erbracht wurden. Ob die Partei die ihr zustehende Summe zurückerhalten wird, ist auf Grund der Insolvenz und der Liquidation der Firma unwahrscheinlich.
Die durch die ursprüngliche Spende generierten staatlichen Zuschüsse (Parteienfinanzierung) dürften damit auch hinfällig geworden sein und sind von der Partei wieder an den Bund zurückzahlen. Dazu kommen Kosten einer möglichen Sonder-Wirtschaftsprüfung der bekannten und und sonstigen Konten des Landesverbands Baden-Württemberg: Noch sind nicht alle Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Wirken von Rolke und Wendel aufgeklärt.
Am Tag nach Eingang des Schreibens des Insolvenzverwalter ist die Landesvorsitzende Sylvia Rolke offensichtlich politisch erledigt: Sie bestellt ihren Landesvorstand zu einer eiligen Sondersitzung ein, die tags darauf dann in Karlsruhe stattfindet. Es wird Rolkes letzte Landesvorstandssitzung sein, denn auf der Sitzung tritt der Landesvorstand geschlossen zurück: Die Rücktritte betreffend die Landesvorsitzende Sylvia Rolke, die stellvertretenden Vorsitzenden Johannes Petermann, Dr. Norbert Volz und Thomas Weber, ferner die Landesschriftführerin Rena Thormann, der Landesschatzmeister Ralf Wendel, der Landessekretär Alexander Geyer sowie die Beisitzer Jacqueline Plath, Georg Bitter und Thomas Rolke.
Darüber hinaus tritt an jenem 19. April 2026 Sylvia Rolke mit sofortiger Wirkung auch als stellvertretende Bundesvorsitzende zurück.
Auf die Demütigung und Frauenfeindlichkeit folgt der Wendelgate-Skandal
Dass Rolke ihren Rücktritt aus dem Bundesvorstand mit frauenfeindlichem und demütigendem Verhalten ihr gegenüber begründet und sich trotz aller Ereignisse als Opfer darstellt, lässt der Bundesvorstand zunächst einmal unkommentiert im Raum stehen. Erst als der Bundesvorstand vier Tage später von der Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters erfährt, weist der Bundesvorstand die Anschuldigungen von Rolke entschieden zurück.
Der Bundesvorstand gibt noch am selben Tag bekannt: „Grund für den Rücktritt sind nach Überzeugung des Bundesvorstands staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den bisherigen Landesschatzmeister der FREIE WÄHLER Baden-Württemberg wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung.“ Auch die Spende und die Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters sieht der Bundesvorstand als den tatsächlichen Grund für die Ereignisse und Rücktritte von Rolke und dem Landesvorstand: “Ihr Rücktritt steht eindeutig und einzig im Zusammenhang mit diesen Vorgängen.”
Einen knappen Monat später nimmt Rolke erstmalig persönlich Stellung: „Das mit der 14.000-Euro-Spende ist unglücklich gelaufen“, sagt Rolke gegenüber dem Mannheimer Morgen: „Unserem früheren Schatzmeister waren die insolvenzrechtlichen Folgen nicht klar.“ Rolke schlüpft mit dieser Aussage einmal mehr in die ihr bereits aus früheren Situationen bekannte Opferrolle: Die Spende als den Grund für ihren Rücktritt darzustellen, sei „eine ablenkende, falsche Unterstellung mit der Absicht, mich zu diskreditieren.“ Rolke schließt gemäß Zeitungsartikel aktuell nicht aus, eines Tages wieder in den Landes- und Bundesvorstand zurückzukehren. Die Freien Wähler Baden-Württemberg haben am Sonntag den 28. Juni 2026 zu einem Sonderparteitag nach Stuttgart zur Wahl eines neuen Vorstands geladen; zumindest ist innerhalb der Bewerbungsfrist keine Bewerbung von Rolke und Wendel eingegangen.
Das Verhalten von Wendel und Rolke erinnert an den Watergate-Skandal in den USA, bei dem auch zunächst hartnäckig versucht wurde, fragwürdige Geschäftspraktiken innerhalb der Partei mit allen Mitteln vertuschen zu wollen und am Ende mussten die Verantwortlichen zurücktreten. In Anlehnung an den Watergare-Skandal wird der Fall von Rolke und Wendel parteiintern mittlerweile als der sogenannte Wendelgate-Skandal bezeichnet.
Es war bereits unter Wirthwein und Barutta sehr zwielichtig, aber unter Rolke und Wendel wurde es höchst kriminell. Man sollte ein Psrteiausschlusdverfahren gegen alle daran Beteiligten anstrengen!
Wie kann es sein das es Menschen gibt ohne fachliche Qualifikation
die andere gutgläubigen Endkunden
Immer wieder schädigen.
Ist das noch legal in Deutschland ?????waltwr
Hoffentlich wird ihm das Handwerk gelegt,er schuldet uns 50.000€ durch die Insolvenzen.
Hi,
Wenigstens habt ihr hier aufgeklärt. Die Basis weiss leider kaum was hiervon, ausser dem Rücktritt.
Danke euch.
Frau Rollke mit ihrem Verhalten der Partei massiv geschädigt sowohl politisch als auch durch ihre Tätigkei.Sie und Herr Wendel müssen umgehend aus der Partei ausgeschlossen werden