War die Bundesgartenschau der Sargnagel der Mannheimer Brezel?

“Ja, es ist aus”, bestätigt eine Brezelverkäuferin in einem Ams/Golden Brezel Verkaufsstand und hofft mit betenden Händen, dass sich trotz aller schlechten Nachrichten am Ende vielleicht doch noch ein Investor findet: “Das wäre schön”. Foto: Dieter Leder

Am Amtsgericht Mannheim wird am 12. Februar um 10.27 Uhr das vorläufige Insolvenzverfahren über die Golden Brezel International GmbH eröffnet (Aktenzeichen 2 IN 1180/26). Drei Stunden später folgt der Golden Brezel auch die Erste Mannheimer Brezelfabrik Joseph Ams GmbH & Co. KG in die Insolvenz (Aktenzeichen 2 IN 1182/26). Damit sind zwei traditionsreiche Brezelmanufakturen in der Region zahlungsunfähig und werden wohl bald der Vergangenheit angehören.

Brezelfabrik-Firma besteht seit 1913

Viel Geschichte steckt in der von Josef Ams am 1. August 1900 gegründeten ersten Mannheimer Brezelfabrik: Sie ist die älteste Brezelfabrik in Deutschland, die vor wenigen Tagen in die Insolvenz gegangene Brezelfabrik wurde ebenfalls von Josef Ams bereits am 2. August 1913 im Mannheimer Handelsregister als Kommanditgesellschaft eingetragen.

Die Ära als Familienbetrieb endet allerdings im Juli 2011 mit dem Ausstieg der Familie Ams und dem Verkauf an die Investment- und Kapitalanlagefirma Lithardt Holding GmbH. Nach drei Jahren in Investorenhand kommt die Firma wieder zurück in Bäckerhand: Der Mannheimer Bäckermeister Wolfgang Bohatsch, der mit seiner Brezelgroßbäckerei Golden Brezel International GmbH in der Region ein direkter Konkurrent für die Ams-Großbäckerei war, übernimmt 2015 die Erste Mannheimer Brezelfabrik von Lithardt.

Umsatzrückgang und Verlust im BUGA-Jahr

Die ersten Jahre nach der Übernahme läuft es weiterhin gut für das neue Imperium von Bohatsch, gemäß Unternehmenszahlen erwirtschaftet er einen jährlichen operativen Gewinn von durchschnittlich etwa 210.000 Euro. Der Gewinn bricht während Corona auf Grund der vielen abgesagten Veranstaltungen und Feste und damit weniger konsumierten Brezeln zwar deutlich ein, aber unter dem Strich bleibt trotz aller Widrigkeiten der damaligen Zeit noch immer ein Gewinn.

Ein Lieferwagen der Golden Brezel International GmbH mit dem goldenen Firmenlogo und den WB-Initialen des Firmengründers und Geschäftsführers Wolfgang Bohatsch beliefert auf den Planken vor dem O3-Quadrat einen Brezel-Verkaufsstand. Foto: Dieter Leder

Und dann kommt das Schicksalsjahr 2023: Ende März verstirbt der Geschäftsführer und Inhaber Wolfgang Bohatsch mit 77 Jahren, die Erbengemeinschaft führt die Unternehmen mit einem Interims-Geschäftsführer fort. Und obwohl die Unternehmen Golden Brezel und Ams auf der Mannheimer Bundesgartenschau 2023 eine spezielle BUGA23-Brezel als lokales, kulinarisches Kulturgut vermarkten, geht der (statistisch geschätzte) Jahresumsatz der Firmen im Bundesgartenschau-Jahr um 1 Million Euro auf 37 Millionen Euro zurück. Am Ende des Jahres steht gar ein historischer Fehlbetrag von 165.000 Euro in den Büchern.

Ob der Tod von Bohatsch oder die Bundesgartenschau für den finanziellen Einbruch verantwortlich sind, ist nicht klar. Vielleicht kommen noch weitere Gründe hinzu: Geschmack, Größe und Kulturgut hin oder her, aber zwei Euro für eine einfache Brezel auf den Planken empfinden viele als deutlich zu teuer – insbesondere, wenn konkurrierende Bäckereiketten die Brezel gleich nebenan für 99 Cents anbieten.

Kündigung der Mitarbeiter und Betriebsversammlung

Jedenfalls ließen diese im Juni 2025 veröffentlichten Geschäftszahlen für das BUGA- und Geschäftsjahr 2023 schon Schlimmstes befürchten. Wenige Monate später, im Oktober 2025, werden die ersten Mitarbeiter zum Mai 2026 gekündigt, so berichten es übereinstimmend Brezelverkäufer in ihren Verkausfhäuschen. Einige dieser Verkaufsstände sind in den letzten Wochen auch schon verschwunden und werden nicht mehr betrieben.

Leere herrscht am Mannheimer Marktplatz zwischen den Straßenbahnschienen und der Hausfront vom R1-Quadrat: Bis vor wenigen Tagen stand hier ein Verkaufsstand von Ams/Golden Brezel. Foto: Dieter Leder

Kurz vor Fasching gab es dann eine Betriebsversammlung für alle Mitarbeiter der Golden Brezel International wie auch der Ersten Mannheimer Brezelfabrik. Thema sollen die bevorstehende Insolvenz und auch die persönlichen wie auch die unternehmerischen Perspektiven gewesen sein, so berichten es übereinstimmend Mitarbeiter, die aber anonym bleiben wollen: „Nach der Kündigung letzten Jahres hatten wir schon damit gerechnet, dass es dem Unternehmen nicht gut geht“, sagt eine Mitarbeiterin, „Wir waren durch die Kündigung schon ein bisschen vorbereitet.“

Dennoch sei sie schockiert gewesen, dass die Mannheimer Brezeln nun Geschichte sein sollen und Ams und Goldener Brezzel in die Insolvenz gehen. „Es soll wohl kaum Hoffnung geben, dass da noch etwas zu retten sei“, berichtet sie und auch andere von der Versammlung.

Wenige Tage nach der Insolvenzmeldung geht der Brezelverkauf weiter – noch zumindest. Weder von der Golden Brezel International GmbH noch von der Ersten Mannheimer Brezelfabrik Joseph Ams GmbH & Co. KG wollte sich jemand offiziell äußern, Anfragen an die Unternehmen blieben bis zum Erscheinen des Beitrags unbeantwortet.

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