
Am 2. Dezember 2025 um 13.30 Uhr wird am Amtsgericht Heidelberg das vorläufige Insolvenzverfahren für die M.I.M Gastronomie GmbH (Amtsgericht Mannheim HRB 736182) eröffnet: Das ist die Betreibergesellschaft des Heidelberger Café Rossi am Bismarckplatz, eine der Top-5 Cafés in der Stadt. Bis zur Eröffnung des ordentlichen Insolvenzverfahrens verhängt das Gericht zudem Sicherungsmaßnahmen, Verfügungen über das noch vorhandene Vermögen sind nur noch mit Zustimmungen des bestellten Insolvenzverwalters möglich (Aktenzeichen Amtsgericht Heidelberg 51 N 710/25).
Vom Schrottplatz zur Spitzengastronomie
Zunächst betrieb Daniel Haas das Rossi als Privatunternehmer und überführte es im April 2020 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Hierfür übernahm er eine bereits bestehende Firma, die BEMARI Recycling GmbH. Aus dem Viernheimer Recyclingunternehmen nebst Schrottplatz entstand innerhalb weniger Tage die Heidelberger M.I.M Gastronomie GmbH (M.I.M) zum Betrieb von gastronomischen Einrichtungen. Gemäß Handelsregisterauskunft ist Daniel Haas alleiniger Gesellschafter (Eigentümer) der M.I.M, der zusammen mit Manuel Kaya Altunkaya auch als Geschäftsführer eingetragen ist.
Offensichtlich war damals Eile geboten, denn die schnelle Übernahme einer bestehenden GmbH statt zeitaufwändiger Neugründung kann mit dem sofortigen Nutzen der Haftungsbeschränkung und damit verbundener Risikoabsicherung erklärt werden; ein Vorgang, der insbesondere bei drohender Zahlungsunfähigkeit und zum Schutz weiterer Vermögenswerte häufig zur Anwendung kommt.
Zwei Monate später wird Daniel Haas Eingetragener Kaufmann für den Betrieb von gastronomischen Einrichtungen (Amtsgericht Mannheim HRA 709398). Inwiefern diese beiden zeitlich naheliegenden Vorgänge im direkten Zusammenhang stehen und Haftungsfragen gegenüber Gläubigern beantworten können, ist nicht bekannt.
Daniel Haas und seine gastronomischen Betriebe
Die Insolvenz der M.I.M vom 2. Dezember 2025 kommt nicht überraschend, die Firma weist in ihren veröffentlichten Bilanzen Verbindlichkeiten von mehr als 800.000 Euro aus. Die jährlichen Bilanzen wurden in der Vergangenheit immer im Juli veröffentlicht, zuletzt 2024. Im Jahre 2025 wurde erstmalig keine Bilanz veröffentlicht, was bereits als Anzeichen finanzieller Probleme gewertet werden kann. Auch um die Liquidität soll es nicht gut bestellt sein, Lieferanten sollen seit einigen Monaten auf Barzahlung bei Warenübergabe bestehen, am Eingang des Cafés weist zudem ein Schild die Gäste darauf hin, dass ausschließlich Barzahlung möglich ist.
Daniel Haas besitzt über die M.I.M das Heidelberger Café Rossi. Darüber hinaus gehören ihm als persönlicher Betreiber zwei weitere Spitzen-Gastronomiebetriebe in Mannheim: Die Café-Bar Dolceamaro am Friedrichsplatz in Mannheim sowie das Restaurant Neckartal in Mannheim-Feudenheim, in letzterem wirkt sein langjähriger Freund und ehemaliger Feuerio-Stadtprinz von 1994, Andreas Stolze, als Geschäftsführer. Mit ihm betreibt Daniel Haas zudem auch ein Partyplaner-Unternehmen.
Das neue Imperium des Andreas Stolze
Für Andreas Stolze muss der 16. Oktober 2025 ein geschäftiger Tag gewesen sein: Er führte an diesem Tag drei Gesellschafterversammlungen zur Gründung von drei Firmen durch. Mit der Neckartal Genuss GmbH (Amtsgericht Mannheim HRB 756414) und der Dolceamaro Living GmbH (Amtsgericht Mannheim HRB 756427) sollen gastronomische Einrichtungen geführt werden, der Geschäftszweck der Lobster Group GmbH (Amtsgericht Mannheim HRB 756341) ist laut Handelsregister hingegen das Verwalten von eigenem Vermögen und Halten von Gesellschaftsanteilen. Zwischen dem 19. und 26. November wurden die drei Firmen beim Amtsgericht Mannheim ins Handelsregister eingetragen.
Die Neckartal Genuss GmbH und die Dolceamaro Living GmbH führen nicht nur namentlich zu den gastronomischen Betrieben von seinem Freund Daniel Haas, die eigetragenen Adressen der neu gegründeten Firmen sind vielmehr identisch mit den bestehenden Betrieben. In allen drei neu gegründeten Firmen ist Andreas Stolze Geschäftsführer. Gesellschafter (Eigentümer) der Dolceamaro Living GmbH wie auch der Neckartal Genuss GmbH ist jeweils die Lobster Group GmbH. Und Gesellschafter und damit Eigentümer der Lobster Group GmbH ist wiederum Andreas Stolze.
Daniel Haas soll das Neckartal-Restaurant sowie auch das Dolceamaro verkauft haben, und zwar an Andreas Stolze – so berichten es übereinstimmend mehrere Quellen, die namentlich nicht genannt werden möchten. Sie erwähnen auch, dass Andreas Stolze neuer Betreiber des Neckartal-Restaurants und auch der Café-Bar Dolceamaro sein soll. Seit Januar ist im Impressum des Neckartal-Restaurants Andreas Stolze als geschäftsführender Gesellschafter genannt. Wer aktueller Betreiber der Café-Bar Dolceamaro ist, ist nicht bekannt: Deren Webseite ist seit Dienstag 16. Dezember 2025 offline.
Geht es um Insolvenzverschleppung und Beseiteschaffung von Vermögen?
Kurz nach den Eintragungen der neu gegründeten Firmen und damit beginnender Haftungsbeschränkung und keine 24 Stunden nach der angeblichen Übernahme der beiden Betriebe durch Stolze wird für Daniel Haas´ Betreiberfirma für das Rossi, die M.I.M Gastronomie GmbH, beim Amtsgericht in Heidelberg das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet.
Ob zwischen der Rossi-Insolvenz in Heidelberg und den Betreiber- und Besitzerwechseln von Dolceamaro und Neckartal in Mannheim ein Zusammenhang besteht, ist nicht bekannt. Das Beiseiteschaffen von Vermögenswerten im Vorfeld einer Insolvenz sowie auch eine Insolvenzverschleppung zum Nachteil der Gläubiger sind Straftaten. Presseanfragen an die Beteiligten Stolze und Haas blieben bis zum Erscheinen des Beitrags unbeantwortet, es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Belegschaften in den Gastronomiebetrieben Rossi in Heidelberg und Dolceamro in Mannheim haben offensichtlich keine Kenntnis einer Insolvenz im Umfeld ihrer Inhaber, wie auf Nachfrage vor Ort zu erfahren ist: Der Betrieb in allen drei Betrieben läuft derzeit weiter. Über die Anordnung über Mitteilungen in Zivilsachen hat die zuständige Staatsanwaltschaft Kenntnis von der Insolvenz der M.I.M Gastronomie GmbH in Heidelberg. Ob sie darüber hinaus auch Ermittlungen wegen möglicher Insolvenzdelikte führt, wollte sie auf Anfrage nicht mitteilen. Auch eine Anfrage an den bestellten Insolvenzverwalter blieb unbeantwortet.



